noch klingen die Erlebnisse des Pfingstfestes, das wir gemeinsam in Maleck gefeiert haben, in mir nach! Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche! An Pfingsten entsteht Gemeinde. Deshalb ist die Anzahl der Mitfeiernden auch ein Indiz dafür, welche Bedeutung „Gemeinde“ in den Herzen der Mitglieder hat. Ehrlich gesagt: Es sieht nicht so gut aus! Warum sollte einem das auch wichtig sein? Ich kann mich doch mit Gleichgesinnten in irgendeinem Verein treffen und dort genau das machen, was mir Spaß macht. Und wenn mir die Menschen dort nicht passen, dann suche ich mir eben eine andere Gemeinschaft oder einen anderen Verein.

Bei uns in der Kirche ist das nicht so einfach. Hier leben wir wie eine große Familie zusammen und es wird schnell klar: Meine Familienangehörigen suche ich mir nicht aus. Ich werde in eine Familie hineingeboren. Dieses Bild von der Familie ist deshalb so treffend, weil wir ja einen gemeinsamen „Vater im Himmel“ haben, wie wir im Glaubensbekenntnis aber auch im „Vater unser“ immer wieder treffend sprechen. Ganz im Ernst: Ich finde es auch richtig gut, dass wir uns nicht immer nach Lust und Laune gerade alles aussuchen, sondern auch einmal „Vorgegebenes“ akzeptieren und wenn es sein muss Spannungen aushalten.

Familie ist das größte Lernfeld überhaupt. Hier lerne ich zu leben... zu lachen und zu weinen, Ratschläge zu geben und Ratschläge anzunehmen, zu trösten und getröstet zu werden, ja sogar so zu streiten, dass man wieder zueinander findet, weil man eben zusammengehört. Gemeinde ist wie die Familie nicht nur eine Zweckgemeinschaft, um einem Hobby oder einem Spaß nachzugehen. Gemeinde ist Lerngemeinschaft, die mir hilft in meiner Persönlichkeit zu reifen. Mag ja sein, dass genau das viele Menschen nicht mögen. Ich höre immer wieder den Satz: „Ich brauche niemanden, der mir etwas vorsagt!“ „Ich bin nun alt genug und weiß selbst, was ich tun muss!“. Anscheinend haben diese Menschen verpasst, dass das Leben ein lebenslanger Lernprozess ist. Stillstehen ist der Tod.

Genau hier hinein greift Pfingsten und trifft ins Schwarze: Gottes Geist rüttelt auf, wenn er kommt, er macht lebendig, wenn wir es zulassen, ärgert auch wenn nötig. Macht mutig, wenn es sein muss und gibt Kraft, Dinge im Leben auszuhalten. Darin sind wir alle keine Meister. Dinge aushalten fällt uns schwer. Aber es ist nötig. Denn jeder von uns erlebt Dinge im Leben, die er nicht ändern kann und die ihm nicht schmecken oder gar zu Boden drücken. Aushalten-können ist eines der größten Dinge im Leben. Dazu braucht man Stärke und Kraft. Nicht zynisch zu werden, nicht zu rebellieren, nicht um sich zu schlagen, sondern „ Tiefgang“ im Leben zu bekommen, davon müssen wir sprechen.

Gott gibt uns also in dieser „ Gemeinde-Familie“ einen Platz, damit wir uns entwickeln. Er will uns so verändern, dass wir einmal ins „Reich Gottes“ passen. Das ist ein großes Ding. Aber bei so viel Desinteresse der Menschen ist es sehr schwer.

Für jeden aber, der einsichtig ist und so gestaltet werden will, wie Gott ihn meint, ist Gemeinde ein „freiwilliges Muss“. Kommen Sie zu uns und probieren Sie es aus.

Mit herzlichen Sommergrüßen
Ihr Gemeindepfarrer Joachim Knab

Tageslosung vom 16.12.2018
3. Sonntag im Advent
Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.
Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.