Während ich diese Zeilen schreibe, ist es draußen hochsommerlich heiß. Mancher Rasen ist schon vertrocknet. Wie viele andere sehne ich mich nach einem kühlen Raum, einem Keller zum Beispiel, in dem es angenehm kühl ist. In meinen Gedanken sehe ich ein „ Eishaus“, wie es die Menschen in den Vereinigten Staaten benutzten, bevor es Kühlschränke gab, um ihre Lebensmittel zu kühlen. Wie Sie sich sicher unschwer vorstellen können, hatte ein solches „Eishaus“ richtig dicke Wände, natürlich keine Fenster und eine gut schließende Tür. Im Winter wurden Eisblöcke aus den Seen und Flüssen herausgeschnitten, in die Eishäuser gebracht und dort vollständig mit Sägemehl bedeckt. Diese Maßnahme garantierte auch im Sommer ein gutes kühles Klima, um Lebensmittel aufzubewahren. Nach einem solchen „Eishaus“ sehne ich mich gerade.

Nun las sich, dass ein Mann bei der Arbeit in einem solchen Eishaus seine sehr wertvolle Uhr verlor. Alle Suche brachte keinen Erfolg. Schließlich brach er frustriert ab. Das alles bekam ein kleiner Junge mit und schlüpfte, nachdem der Mann das Eishaus verlassen hatte, unbemerkt hinein. Nach kurzer Zeit kam er freudestrahlend heraus, rannte zu dem Mann und überreichte freudestrahlend die Uhr. „Wie kann das nur sein? Wie konntest du die Uhr so schnell finden?“ Der Mann war außer sich vor Freude. Der Junge antwortete ohne Umschweife: „Ich hab einfach die Tür fest verschlossen, mich ins Sägemehl gelegt und war so still, wie irgend möglich. Es hat nicht lange gedauert, da konnte ich die Uhr ticken hören. Ich hab sie dann ganz schnell gefunden! Das war ganz einfach.“

Still hinlegen und einmal nur lauschen! Was glauben Sie, was Sie hören würden? Könnten Sie Ihren eigenen Herzschlag vernehmen oder vielleicht gar den Herzschlag Gottes? Könnten wir spüren, dass mit jedem Herzschlag uns Zeit und Leben in Fülle geschenkt ist? Das schlagende Herz steht für die Zeit, in der es schlägt! Das große Herz Gottes hingegen steht für seine Liebe und wie sehr er uns das Leben gönnt. Wären wir noch etwas länger still, dann würden wir wohl bald auch die Stimme Gottes hören können. Vielleicht ist es gar nicht so schwer, sie zu hören, nur ist es um uns herum viel zu laut. Bleibt doch zu fragen, warum wir im Leben so einen Stress machen und so viel Lautstärke um uns herum zulassen? Warum lassen wir uns von dem Lärm des Überflüssigen abbringen von wirklich Wichtigem?

Vielleicht müssten wir doch umdenken und eventuell nachjustieren. Aber das geht bekanntlich nicht im Vorübergehen. Wirklich Wichtiges fordert immer Zeit von uns. Wenn Sie einen Menschen wirklich beachten wollen, dann schenken Sie ihm Zeit. Wenn Sie sich selbst für wertvoll erachten, dann geben Sie sich die nötige Zeit, um sich wahrzunehmen. Und wenn Sie Ihren Gott und Schöpfer wirklich wichtig nehmen, dann werden Sie für ihn Zeit finden. Es ist immer nur eine Frage der Prioritäten, die wir setzen. Zeit haben wir alle gleich viel. Und es gibt genug von ihr.

Mit diesen Gedanken möchte ich Ihnen nach der hoffentlich erholsamen Urlaubszeit einen guten Neustart in den Herbst und Winter wünschen. Vergessen Sie nicht, sich die nötige Zeit zu nehmen um zu lauschen.

Mit herzlichen Grüßen Ihr Gemeindepfarrer Joachim Knab

Tageslosung vom 18.11.2018
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 
Offb 21,2 (L)