ich freue mich, dass Sie unseren Gemeindebrief in die Hand genommen haben. Vielleicht suchen Sie einen passenden Gottesdienst, bei dem Sie mal wieder auftanken oder einen Moment Stille finden können oder Sie möchten einfach nur ein wenig lesen, vielleicht einen neuen Gedanken für sich finden und blättern deshalb in diesem „Brief“. Ich finde, es ist gar keine schlechte Idee für die Sommerzeit, einen neuen Gedanken zuzulassen. Vielleicht ist es manchmal nötig, um wieder mehr Lebensfreude zu spüren.
Leben ist jedenfalls nicht gerade ein Spaziergang, sondern hat seine Höhen Tiefen oder sage ich besser – zum Wetter passend – hat seine heißen und kalten Phasen. Gerade ist es richtig heiß draußen und obwohl wir uns auf die Wärme gefreut haben, ist sie jetzt doch grade etwas heftig ausgefallen.
„Wohl-temperiert“ kommt das Leben selten daher. Manchmal läuft alles gut, das nehmen wir dann fast nicht mehr bewusst wahr. Geschweige denn, dass wir vor Dankbarkeit strahlen. Und wenn es nur ein Dankgebet für Gott wäre oder ein Lied, dass wir summen. Das wäre doch ein tolle Sache oder?
Und dann kommen wieder Phasen, wo einem etwas gewaltig auf der Seele liegt. Dinge, die richtig beunruhigen. Vielleicht noch härter: brutal belasten. Man ist gefährlich nahe daran, all das nicht mehr ertragen zu wollen...
Ob nun leises Murren oder lautstarker Protest, beides bringt leider ja nicht wirklich weiter. Ganz im Gegenteil: Wenn Zorn oder Selbstmitleid mich im Griff haben, dann gibt das einen so entsetzlichen Sog nach unten. Es ist wie ein schwarzes Loch. Es droht zu verschlingen. Die Bibel nennt eine solche Lebensphase schlicht ANFECHTUNG. Kein schönes Wort! Aber eben Erfahrung. Wie kann ich das durchstehen? Leider kenne ich nur ein Mittel, das wirklich und wirksam dagegen hilft. Es hört sich zuerst sehr paradox an: Sei für alles dankbar! Praktiziere Deine Dankbarkeit konkret! Soll das ein Witz sein? Was ist mit meinen Gefühlen? Die Schwierigkeiten kann man doch nicht einfach wegpusten? Ist das nicht ein billiger Trick: Selbstbeeinflussung! Wie soll ich für Schwierigkeiten auch noch danken? Soll ich gegen meine Empfindungen Worte des Dankens finden?
Meine Erfahrung mit Gott ist die: Sobald ich es tue, lösen sich seltsamerweise die Knoten in mir. Wenn ich nicht lockerlasse und ehrlich mit Christus rede, ihm auch die Schwierigkeiten sage, die ich damit habe, dann handelt er.
Dann verändert er durch meinen Dank etwas! Es ist gar nicht mehr komisch, denn ich sehe die Dinge auf einmal anders. Es ist nämlich -wen wundert's- eine Frage des Vertrauens. Glaube ich wirklich, dass er mein Leben in der Hand hält? Und zwar ganz und gar und wirklich alles, gerade auch das Schwere. Glaube ich ihm, dass alles zu meinem Besten dienen muss?

Herzliche Grüße im Sommer

Ihr Gemeindepfarrer Joachim Knab

Tageslosung vom 23.07.2019
Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme!
Jesus sprach zu den Jüngern: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
Jak 1,19 (L)