Gibt es etwas Schöneres als das Leben in seiner ganze Vielfalt und Schönheit? Ich kann mich kaum satt sehen, wenn im Frühling wieder alle Farben in der Natur hervorbrechen, die Bäume blühen, die Schneeglöckchen, die Tulpen und Narzissen ihre Schönheit entfalten und die Bäume in voller Blüte stehen! Und man staunt, es sind erst ein paar Sonnentage gewesen und schon meldet sich das Leben in vollen Zügen zurück. Was hat sich unser guter Gott in seiner unerschöpflichen Kreativität nur alles ausgedacht, als er diese Erde für uns bereitet hat, damit wir uns auf ihr wohlfühlen?

 

Und was ist daraus geworden? Viele von uns haben dafür nicht einmal mehr einen Blick! Man geht einfach achtlos daran vorbei, so sehr ist der Mensch im Stress! Apropos Stress! Das ist ein wahres Teufelszeug, dass wir vor lauter Eilen und Hasten und Hetzen - weil das, was wir tun ja ach so wichtig ist! - am Leben vorbeirennen. Und die, die uns dabei helfen wollen, wieder zur Besinnung zu kommen, werden oft gnadenlos überrollt. Es ist schick Termindruck zu haben, man ist so wichtig, wenn man keine Zeit hat! Das Geschäft muss weitergehen. The show must go on! Merken wir es eigentlich derzeit nicht, wie weit wir es bringen mit unserem immer mehr - immer weiter - immer größer - immer toller - immer großartiger!

Es wäre an der Zeit, wieder einmal nach dem Kern des Lebens zu fragen. Fündig geworden bin ich da übrigens bei Jesus, der die einzigartige Fähigkeit besaß, den Menschen ins Herz zu schauen. Er spürte, woran es hapert. Er nahm sich Zeit für das Gespräch! Er freute sich an der Schöpfung, empfand sie als Erholung, er konnte wirklich wahrnehmen, was an den meisten von uns vorbeirauscht. Er spürte den Puls des Lebens, die Schwingung eines Herzens, ob Freude oder Trauer, ob Gleichgültigkeit oder Hetze, ob Frust oder Vergnügen.

Er lebte, wie Gott sich Leben vorgestellt hat, nämlich in der Gegenwart anzukommen, ganz bei der Sache zu sein, nicht ständig in der Vergangenheit oder Zukunft.

Immer nur zu schauen, was man erreicht hat und was man noch erreichen will, wie man noch mehr Karriere machen kann, wie man noch mehr in der Welt herumjetten, noch deutlicher die Erde aussaugen und noch Außergewöhnlicheres veranstalten kann. Der Kitzel der Superlative ist inn und schon ist die Seele und damit das Leben verkauft. Es gibt ihn, diesen Bösen, der ein Interesse daran hat, dass ich meine Seele verliere. Aber gerade an Ostern gibt es wieder ein Anklopfen Gottes bei uns. Ob er ein Chance hat, wahrgenommen zu werden?

Würdest du nicht auch alles unternehmen, wenn du siehst, dass dein Kind sich verliert! Warum wunderst du dich dann, dass Gott es genauso tut. Er kann doch nicht anders in seiner Liebe, sowie Eltern eben auch nicht anders können. Du wirst Gott nie hindern können, dich zu lieben, auch wenn du es ablehnst.

Karfreitag und Ostern zeigen überdeutlich, dass es nur diesen einen Weg zum Glück und damit zum wirklichen Leben gibt!

Gottes Segen wünscht Ihnen Ihr Gemeindepfarrer Joachim Knab