Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt? Kennen Sie diesen Vers? Nicht schlimm! Dieser Vers kam mir vor kurzem in den Sinn. Ich finde, er trifft den Nagel auf den Kopf, sehr sogar: Wir brauchen Trost.

Gewiss ist dies ein furchtbar altes Wort - T r o s t - aber was es sagt, ist aktueller denn je. Schauen Sie mit mir auf 2022 zurück. Was für ein Jahr...

...noch am Anfang coronabedingte Schließungen / Einbußen / Zurückstecken-müssen / viele Kranke und Tote / Maskenpflicht / der russische Überfall auf die Ukraine / steigende Inzidenzen schon wieder im Sommer / Hitze und Dürre / Ernteausfälle / Flüchtlinge / Staatsschulden ohne Ende / private finanzielle Sorgen / Gasknappheit / rasende Inflation mit ca. 10 % im Euroland und und und...

Schon vieles verdrängt? Ach ja, sagte vor kurzem jemand zu mir, das ist mir gar nicht mehr präsent, was alles in diesem Jahr war. Und das sag mal einer, dass wir keinen Trost brauchen. Wir stehen doch nur deshalb noch aufrecht da, weil wir Meister des Verdrängens sind! Aber jeder von uns weiß, das ist nicht gesund. Wir brauchen Trost. Richtige Tröstungen. Wussten Sie, dass wir heute in unserer Zeit keine Ausnahme bilden? Meinen wir, es war zu Zeiten des 2. Weltkrieg anders? Oder im Dreißigjährigen Krieg, wo Millionen von Menschen in Deutschland durch den Krieg und die Pest dahingerafft wurden? Oder war es etwa besser zu biblischen Zeiten?

Ich höre den Propheten Jesaja schreien: „Tröstet, tröstet mein Volk. Redet mit den Menschen freundlich und sagt Ihnen: Die Zeit des Leides ist vorbei!“ So einfach? Nein, zu trösten ist kompliziert. Denn es verlangt sehr viel Sensibilität und Nähe. Aber genau das ist leider auch gefährlich. Nicht alle, die freundlich  reden, meinen es auch gut mit mir. Nicht jeder, der zu sich einlädt, bietet mir auch einen Raum, wo ich mich wohl fühlen kann. Oft genug ist es nur eine „Masche“ um mich meiner Freiheit und meines Seelenfrieden zu berauben.

Verwundete, trostsuchende Menschen sind leider auch verführbar. Sie greifen nach jedem Strohhalm. Und wenn einer so freundlich daherredet, dann will man dem gerne glauben und schiebt jedes warnende Gefühl auf die Seite. Leider hat auch die Kirche in zweitausendjähriger Kirchengeschichte nicht immer die nötige Sensibilität walten lassen und ging oft nicht sorgsam mit den Menschen um. Umso wichtiger ist, dass wir unseren Auftrag, den Gott uns gibt, sorgfältig und gewissenhaft und mit Respekt ausführen. Wir sollen Trost spenden. Sagen wir es so: Gott tröstet ohne zu zwingen! Gott tröstet ohne zu vereinnahmen! Er sieht nur den Menschen und sein enormes Bedürfnis, seine Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Frieden, nach freiem Leben, nach Heilung!

Das wir tun können? Wir nehmen jeden, der mitkommen möchte, an die Hand und gehen dorthin, wo Heilung und Geborgenheit zu finden ist.

Gottes Segen wünscht Ihnen Ihr Gemeindepfarrer Joachim Knab